08/11/2012 • Bahn, Software

Unser Projekt “Trassenbörse” feierte 2010 einen besonderen Erfolg. Zum ersten Mal überhaupt gelang es, für einen real bestehenden Eisenbahnknoten hoher Komplexität optimale Zugfahrpläne zu errechnen. Das geschah in einer Studie, die sich mit der Kapazität der Simplon-Strecke zwischen Brig in der Schweiz und Domodossola in Italien befasste. Diese Strecke ist Teil der Alpenquerung über den Lötschberg und u.a. deshalb besonders verzwickt, weil bestimmte Zugtypen abschnittweise auf dem Gegengleis geführt werden müssen, um durch die engen Tunnelkurven zu passen.

Was ist ein “optimaler” Fahrplan? Optimal bedeutet hier die bestmögliche Erfüllung eines messbaren Ziels. Planer können dieses Ziel frei vorgeben. Es kann zum Beispiel die maximale Auslastung des Netzes sein oder der maximale Erlös aus Trassenentgelten oder – bei Personenzügen – die geringste Reisezeit auf den meistgenutzten Umsteigeverbindungen.

Optimal meint also – anders als im umgangssprachlichen Sinn – nicht nur den besten aus einer Reihe alternativer Fahrpläne, die durch Planung per Hand hergestellt wurden. Gerade bei schwierigen Netzen kann ein derart “heuristisch” gebastelter Fahrplan weit hinter dem bestmöglichen Fahrplan zurückbleiben. Die Errechnung eines optimalen Eisenbahn-Betriebsplans als mathematisch beweisbar beste Lösung ist daher keineswegs trivial und stand im Fokus des Forschungsprojekts Trassenbörse.

Das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB) war im Projekt der Partner für diese mathematische Herausforderung. Thomas Schlechte vom ZIB bekam im September für seine Arbeiten an diesem Thema den Preis für herausragende Dissertationen der Gesellschaft für Operations Research (GOR) e.V..

IMP gratuliert Thomas Schlechte herzlich! Er hat jetzt auch in der Zeitschrift der GOR einen allgemeinverständlichen Aufsatz über das Thema veröffentlicht, betitelt “Duell an der Weiche”. Das kurze Werk ist nicht nur für Laien mit Freude an der Mathematik vergnüglich zu lesen, sondern vermag auch Verantwortlichen für die Vermarktung von Bahninfrastruktur eine Menge mitzugeben.

Wenn Sie zudem wissen möchten, warum dieser große Erfolg heute nicht einmal den allergeringsten Einfluss auf die Eisenbahn in Deutschland hat, dann lesen Sie einfach nach dem Klick weiter.
Da steht unsere bescheidene Meinung dazu.

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01/03/2012 • Lärm, Verkehr, Von IMP

Wie auch jüngst einigen Medienberichten (Die Zeit, ZDF Frontal 21, SWR, Rhein-Zeitung) zu entnehmen war, hat das Land Rheinland-Pfalz die Nutzungsrechte an einer Studie von IMP erworben, die ursprünglich im Mai 2010 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beauftragt worden war. Dabei ging es um die Bewertung von Modellen für zukünftige lärmabhängige Trassenpreise für Güterzüge.

Das extrem laute Laufgeräusch von Güterwaggons ist heute anerkanntermaßen das gewichtigste Problem des Bahnlärms. Es ließe sich drastisch verringern, indem dieser Wagenpark vollständig auf neue Bremsen (Verbundstoff-Bremssohlen) umgerüstet würde. Die bis heute üblichen Grauguss-Bremssohlen rauen die Laufflächen der Räder auf, diese verursachen maßgeblich den dröhnenden Lärm.

Um die kostenträchtige Umrüstung anzuschieben, sollen die Schienennutzungsgebühren (Trassenpreise) erhöht und daraus ein Fundus gebildet werden. Aus diesem Fundus soll jeder Eigner eines Güterwaggons, der seinen Wagen auf die neuen Bremssohlen umrüstet, für jeden gefahrenen Kilometer auf deutschem Netz einen Bonus erhalten. Sprich, umgerüstete Güterwagen zahlen weniger für die Fahrt auf der Schiene.

Die Ausgestaltung eines solchen Systems ist durchaus verzwickt und gab daher Anlass zur Vergabe der Studie. Da nach ihrer Fertigstellung im Dezember 2010 keine Einigung über ihre Abnahme herzustellen war, klagte IMP gegen das BMVBS. Ende Januar 2012 kam es zu einem Vergleich vor Gericht, in dessen Rahmen die Nutzungsrechte an uns zurückfielen.

Schon zuvor hatte das Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur des Landes Rheinland-Pfalz (ISIM) angeboten, in diesem Fall die Rechte an der Studie erwerben zu wollen, um sie für anstehende Beratungen im Bundesrat nutzen zu können. Heute hat Minister Roger Lewentz die Studienergebnisse in einer Pressekonferenz vorgestellt und sie zur öffentlichen Verwendung freigegeben – siehe die Pressemeldung des ISIM mit Anhang der Studie.

Die Studie ist auch hier zum Abruf hinterlegt.


Studie Bewertung von Modellen einer schnellen Umrüstung von Güterwagen auf lärmmindernde Bremssohlen (PDF, 750 KB)Bewertung von Modellen einer schnellen Umrüstung von Güterwagen auf lärmmindernde Bremssohlen (PDF, 750 KB)